Der Wind hatte die Regenwolken mit sich genommen, in die Richtung, in die nach Anna-Lisas Überzeugung Joram mit ihm auf Reisen gegangen war. Warm und freundlich wartete der Morgen im Garten. Carly hatte eine Thermoskanne mit „Küstensturm“ gefüllt, dem Tee, den Henny am liebsten getrunken hatte, und sie zusammen mit einem Käsebrot im Fahrradkorb verstaut, nebst einer offenbar selbstgekneteten Kerze, die sie auf dem Küchenwerktisch gefunden hatte. Jetzt schnitt sie taufeuchte Blumen: Staudenglockenblumen, weißen Phlox, Eisenhut, frühe Astern, späte Margeriten. Sommerflieder, Dahlien. Dazwischen zarte Gräser und Farne.
Sie hätte die paar hundert Meter auch zu Fuß gehen können, aber sie hatte sich mit Hennys Fahrrad „Albireo“ angefreundet. Die frische saubere Luft wehte ihr darauf so angenehm um die Nase. Sie schloss Albireo an einem Laternenpfahl an, öffnete die niedrige schmiedeeiserne Pforte. Steinplatten führte zum Kirchenportal. Zu ihrem Erstaunen las sie Namen darauf. „Claas Olufsen“. „Friederijke Hegemeier.“ Verwittert, aber noch gut erkennbar. Hier hatte man alte Grabsteine verwendet! Wahrscheinlich waren die Steine so knapp auf der schmalen Halbinsel. Es berührte sie unangenehm, darauf zu treten. Sie verließ den Weg, spazierte um die Kirche herum. Dahinter fand sie die Gräber. Der Friedhof war winzig; nach den weitläufigen Berliner Friedhöfen erschien er unwirklich, wie ein unvollständiges Bild aus einer Geschichte, auf deren Seiten nur ein Ausschnitt gepasst hatte. Die wenigen neueren Gräber entdeckte sie in der hinteren östlichen Ecke, wo der Lichtkegel der Morgensonne in die Reihen fiel.
Henrike „Henny“ Badonin. Ein schlichter, unbehauener Naturstein inmitten von Lavendel, blauen Astern und weißer Akelei.
Carly stand eine Weile davor, fast schüchtern. Es war merkwürdig, dass sie in Hennys Haus wohnte, darin umräumte, über ihre Sachen entschied, und das alles, ohne sie gekannt zu haben. Ungehörig! Aber so war es nun einmal. Und es ging etwas sehr Freundliches von dem Grab aus. Sie hatte nicht das Gefühl, dass Henny über ihren Besuch verärgert wäre. Im Gegenteil. Schließlich legte sie behutsam den Strauß vor den Stein. „Aus deinem Garten“ sagte sie.
Vorn neben der Akelei lag ein runder Findling, auf den sie sich nach kurzem Zögern setzte, um ihr Brot zu essen. „Der Morgen ist so schön, ich musste raus,“ erklärte sie, „und da dachte ich, ich frühstücke mit dir. Dann sind wir uns vielleicht nicht mehr so fremd und es macht nichts, dass ich deine Kleider trage.“ Sicherheitshalber sah sie sich um, ob auch niemand zuhörte, doch sie war allein mit der Stille und den Toten, und der einzige vorhandene Teppich bestand aus den Grasbüscheln, die sich hartnäckig an den unbeständigen Sandboden klammerten. Der Tee schmeckte nach Holz, Beeren, Honig und Wiese, passte zu Henny, zu ihrem Parfum, ihrem Stil, ihrem Haus. Carly beugte sich vor, goss einen Schluck in die Erde. Warum nicht? Es sah ja keiner und Henny, da war sie sich sicher, hätte gelächelt.
Da fing etwas ihren Blick, ein blauer Schimmer, hinter den Astern an den Grabstein gelehnt.
Eine große Miesmuschel, auf die Röhrenwürmer helle Zeichen geschrieben hatten.
Hennys Muschel aber lag zuhause auf dem Küchenregal.
Zuhause? Hatte sie „Zuhause“ gedacht?
Und Joram?
„Auf diese Weise gibt mir das Meer in deinem Namen zu verstehen, dass du nicht fort bist, nicht so weit fort, dass du mir nicht noch nahe bist…“
War er also doch in der Nähe, wie Henny bis zum Schluss behauptet hatte? Hatte er die Muschel dorthin gelegt?
Carly spürte, wie ein Kribbeln ihre Wirbelsäule hinauflief.
Zur Beruhigung goss sie sich noch einen Becher Tee ein, fühlte, wie die Wärme sich in ihr ausbreitete.
Wie mochte Henny nur zumute gewesen sein, als Joram verschwand? Sie versuchte, sich vorzustellen, dass Thore von heute auf morgen nicht mehr da wäre. Wenn sie ihn nicht anrufen, nicht auf ein Wort, nicht auf eine Berührung, nicht auf ein Wiedersehen zählen könnte, nicht wüsste, wie es ihm ging, ob er noch lebte. Nicht wüsste, was passiert war. Ob er einen Unfall hatte, ein Verbrechen geschehen oder ob er freiwillig entweder gestorben oder gegangen war und wenn gegangen, wohin.
Bei dem bloßen Gedanken entstand hilflose Verwirrung in ihrem Kopf und ein dumpfer Schmerz ohne Horizont.
Was wusste sie von Joram? Er war Künstler gewesen, der mit Holz offenbar leichter umging als mit Menschen, aber nur im Notfall Aufträge annahm oder etwas verkaufte. Lieber verschenkte er seine Werke. Einer, der Wohnen als eine Tätigkeit, eine Kunst, ja eine Gnade ansah und Henny dabei half indem er ihr Haus verschönerte, füllte, ihm einen Namen gab, der aber selbst nur möbliert zur Miete hauste, nichts aufhob, am liebsten keine Spuren hinterließ. Dem es manchmal nicht gut ging, weil er „sich nicht immer mochte“, wie Daniel Knudsen gesagt hatte, und der außer Henny keine Freunde wollte. Er hatte jedoch Humor, wie die „Ambi-Ente“ bewies, und Henny hatte ihm etwas bedeutet. Aber was und wie viel?
Carly und Thore verband eine Seelenverwandtschaft (seine Worte), eine intellektuelle Affäre und eine zärtliche platonische Freundschaft. Sie vermutete, dass es bei Joram und Henny sehr ähnlich, wenn nicht genauso gewesen war.
Nur, dass Thore und sie auch andere Freunde hatten: Familie, Kommilitonen, Kollegen. Joram und Henny dagegen schienen jeder für sich, aber auch miteinander allein gewesen zu sein, absichtlich, ihre Freundschaft eine einsame Insel inmitten einer Anzahl wohlgesonnener Nachbarn und Bekannten, die sie nach Möglichkeit nicht ins Haus ließen, mit Ausnahme der kleinen Anna-Lisa. Wie hatte Henny geschrieben?
„Joram, Naurulokki und ich sind wie Wega, Atair und Deneb. Ein harmonisches, ausgewogenes Zusammenspiel; trotz der unabänderlichen Distanz zwischen uns. Wir ergänzen uns, erzeugen ein Leuchten. Allein sind wir nichts…“
Wega, Atair und Deneb, das Sommerdreieck, hell in der weiten Schwärze des Himmels.
Allein sind wir nichts…
Wir allein musste Henny gewesen sein ohne Joram. Aber sie hatte noch Naurulokki gehabt und das Echo von Jorams Gegenwart. Sie hatte seine Nähe gespürt, obwohl er offenbar nicht mehr da war.
So wie Carly die Stimme ihres Vaters gehört hatte.
Die Kerze aus ihrer Tasche duftete nach Bienenwachs und Honig. Neben allen Grabsteinen standen Windlichter für die Kerzen, keine Flamme hätte dem Seewind ohne diesen Schutz standgehalten. Carly nahm den Deckel hoch und entfernte ein altes, abgebranntes Licht.
Darunter lag ein Zettel! Sie zögerte, nahm ihn dann heraus. Gab es ein Postgeheimnis für Tote? Aber sie hatte ja alle anderen Zettel auch gelesen. Und wenn dieser von Joram war, dann musste sie es einfach wissen. Dann lebte er noch.
Doch es war nicht Jorams Schrift. Es war auch nicht nur ein Zettel, es war ein Brief.
„Liebste Henny, ich habe einen schlimmen Fehler gemacht, damals, vor so langer Zeit. All diese Zeit hätte uns gehören können. Aber du sollst wissen, dass du in allen Bildern warst, die ich seitdem gemalt habe. Wenn Menschen darin vorkamen, war es jedes einzelne Mal dein Gesicht, deine Silhouette, dein Schatten. Ich konnte nicht anders. Das waren die einzigen Bilder, die gut waren. Die lebten und ein Publikum ansprachen. Meine Landschaften, selbst Abstraktes: handwerklich ausgezeichnet, aber es blieb alles kalt, berührte niemanden. Das ist und bleibt meine Strafe. Auch diese Insel, die mir noch und wieder Heimat sein sollte, ist fremd ohne dich. Unerträglich! alles verschließt sich, auch der Blick. Ich kehre zurück in mein Exil und werde jämmerlich genug sein, um weiterhin dein Lächeln und die alten Träume in deinen Augen zu malen und zu verkaufen, damit ich meine Miete bezahlen kann, denn ich tauge für nichts anderes…und das, obwohl ich weiß, dass es dich anekeln würde, wenn du wüsstest dass du in immer mehr amerikanischen Wohnzimmern hängst. Andere Frauen würden sich geehrt fühlen, doch du hattest nie auch nur einen Anflug von Eitelkeit. Ganz im Gegensatz zu mir. Du kannst froh sein, dass du mich früh genug losgeworden bist, und ich hoffe, du bist glücklich gewesen. Ich habe nicht gewagt, Elisa danach zu fragen…
Nicholas.“
Carly schluckte. Ihre Hand zitterte ein wenig, als sie den Zettel wieder zusammenfaltete und zurück in das Windlicht legte. Sie stellte den kleinen schmiedeeisernen Teller darauf und die Kerze, zündete sie an. In der hellen Sonne war die Flamme kaum zu sehen.
Henny hatte Nicholas erwähnt, in einer ihrer Notizen. „Niemand kennt mich so gut wie Joram. – Ob es wohl mit Nicholas eines Tages auch so gewesen wäre ?“
Synne musste ihr Elisa vorstellen, dann konnte sie sie fragen, wer Nicholas war. Es wurde ja auch Zeit, dass Elisa den Wert der vorhandenen Bilder schätzte, Thore würde bald Ergebnisse hören wollen. Aber ach, es war schwer, sich auf die Gegenwart zu konzentrieren, wenn die Vergangenheit Briefe schrieb.
Nachdenklich schlenderte sie die Grabreihen entlang. Der letzte Stein fing aus dem Augenwinkel ihre Aufmerksamkeit. Er war alt, dunkel, stand schief und halb verweht im Sand. Das Grab daneben war schon aufgegeben worden. Kamille und verwilderte Margerite wucherten auf beiden, zusammen mit Brennnesseln und Wegerich. In den Buchstaben wuchs Flechte, doch sie waren noch deutlich.
Simon Grafunder.
Ohne Jahreszahlen.
Wer war Simon Grafunder?
Hätte sie eine zweite Kerze gehabt, hätte Carly sie gerne hier angezündet. So zog sie nur die Brennnesseln heraus, entfernte ein paar braune Blätter und eine Kaugummihülle und richtete die Margeriten auf.
Die Kirche war offen. Sie war klein und ungewöhnlich gebaut, in der Form eines umgedrehten Kahns, geschützt von einem Reetdach. Schifferkirche hieß sie denn auch schlicht. Leise trat Carly ein. Seltsam geborgen fühlte sie sich in dem hölzernen Gewölbe. Von der Decke hingen Schiffsmodelle, und die Schiffe trugen die Namen „Glaube, „Liebe“ „Hoffnung“, mit weißer Handschrift etwas ungeschickt auf den Bug gepinselt.
„Das wäre eine schöne Kirche für eine Hochzeit“, dachte sie. „Ich würde gern einmal auf eine Hochzeit gehen. Aber das sieht weder bei Orje noch Miriam so aus. Vielleicht Synne und Daniel?“
Aber auch dafür schien es keine ernsthaften Anzeichen zu geben.
Ob Henny als junge Frau einmal davon geträumt hatte, hier diesen Nicholas zu heiraten? Was war passiert?
„Guten Tag!“
Carly hatte den Pfarrer nicht gesehen, hinten in der dunklen Ecke. Er musste hinter dem Altar irgendetwas sortiert haben, jetzt richtete er sich auf und sah sie. „Kann ich Ihnen helfen?“
„Ich wollte mir nur die Kirche ansehen. Sie ist wirklich schön. Und außergewöhnlich.“
„Sie ist gerade renoviert worden. Dem Himmel und den Menschen hier sei Dank.“
Er ging ihr entgegen. Recht jung für einen Pfarrer, fand sie.
„Sind sie hier schon lange tätig?“
„Hier und anderswo auf Fischland-Darß. Drei Jahre. Ich hoffe, es werden noch viele.“
„Kannten Sie einen Joram Grafunder? Und eine Henny Badonin?“
„Ich habe Henny Badonin beerdigt. Das war seltsam. Niemand kannte sie gut, und dennoch kamen sehr viele zur Beerdigung. Die Kirche war überfüllt. Zum Gottesdienst ist sie nie gekommen, aber wenn sonst niemand in der Kirche war, saß sie manchmal hier, in der letzten Bank. Ich habe einmal versucht, mit ihr zu sprechen, doch das hat sie wohl nur vertrieben. Darum habe ich sie in Ruhe gelassen. Aber für den Weihnachtsmarkt hat sie ein Bild gespendet. Von dem Erlös konnten wir die Schiffsmodelle instand setzen lassen.“
„Und Joram Grafunder?“
„Er hat nach einem Sturm einige Schäden repariert. Spontan und kostenlos. Er war so geschickt mit Holz. Aber er sprach kaum. Ich hatte das Gefühl, er war ein sehr einsamer Mensch. Und da war etwas in seinem Blick…“
„Was glauben Sie, ist mit ihm passiert?“
Der Pfarrer räusperte sich, wich ihrem Blick aus. „Ich halte es für wahrscheinlich, dass er… dass es sich um einen Suizid handelte. Ich sagte ja, da war etwas in seinen Augen…und er hatte eben nicht viele soziale Kontakte.“
„Ich habe da draußen einen alten Grabstein gesehen. Simon Grafunder.“
„Ja. Simon Grafunder war Joram Grafunders Bruder. Er starb mit dreizehn. Mehr weiß ich auch nicht. Es steht im Kirchenbuch. Die Familie war offenbar nicht lange hier ansässig und ist danach fortgezogen. Joram Grafunder kehrte erst viel später nach Ahrenshoop zurück. Wenn Sie mehr wissen möchten, müssen Sie jemanden fragen, der hier schon lange lebt. Elisa Sempek zum Beispiel, oder den alten Claas vom Hafen.“
„Danke, das mach ich.“ Carly steckte ein paar Münzen in den Opferstock und verließ die dämmerige Kirche. Die helle Wärme draußen war angenehm, beruhigend wirklich nach all den alten Spuren.
Strandwetter, eigentlich. Sie brauchte nur die Hauptstraße überqueren und den Deich, Albireo an einem der Sanddornsträucher abstellen und wie alle anderen Touristen zum Meer zu schlendern. Einfach so.
Aber hatte sie nicht einen Job zu erledigen? Die Zeit drängte. Hatte sie sich sonst immer auf Thores Anruf gefreut, fürchtete sie sich jetzt beinahe davor. Außer ein paar wirren alten Geschichten hatte sie noch nichts zu bieten. Es war Zeit, zu handeln. Jetzt, da sie sich bei Henny gewissermaßen vorgestellt und sie um Verzeihung gebeten hatte, konnte sie wenigstens anfangen, den Kleiderschrank auszuräumen. Denn dessen Inhalt fiel bestimmt nicht unter „möbliert vermieten“.
Vielleicht war das nicht die beste Idee gewesen, denn auch der Schrank erzählte von Vergangenem.
Draußen vor dem offenen Fenster dagegen hörte sie ferne Stimmen der Gegenwart, in den Seewind geflochten: spätsommerglückliche Kinder, die am Strand den Wellen Tropfen stahlen und silbern Richtung Himmel warfen. Eltern, die hinterher tobten als fiele dabei für kostbare Stunden sämtliches Erwachsensein von ihnen ab. Möwenschreie dazwischengestreut, die wie das Salz selbst einen solchen Tag würzen und zu einer besonderen Erinnerung machen, noch ehe er vorbei ist.
Genauso war es früher auch gewesen, sie konnte sich daran erinnern, jetzt wieder. Die Geräusche weckten die Bilder in ihr. Wäre sie Henny gewesen, hätte sie sie zeichnen können. Doch sie schob sie beiseite, konzentrierte sich auf ihre Arbeit.
Hennys Unterwäsche war rührend altmodisch und dünn vom langen Gebrauch. Carly fühlte sich wie ein Unmensch, als sie sie in einem Plastiksack versenkte. Sie fand eine Menge langer Unterhosen und praktischer derber Arbeitshosen und Fischerhemden mit Farbflecken. Die drei besten Fischerhemden hob sie auf, die konnte sie vielleicht noch brauchen, für Gartenarbeit. Auch zwei Pullover rettete sie, und einen ganzen Stapel der weichen Baumwollkleider. Am Ende war der Schrank nur halb geleert. Dafür entsorgte sie alle Schuhe, die ihr ohnehin zu klein waren. Es wäre ihr auch zu weit gegangen, in Hennys Schuhen herumzulaufen, wenn sie schon in ihrem Haus wohnte und ihre Kleider trug – und momentan irgendwie auch ihr Leben. Ihr fiel ein indianischer Spruch ein, der über Tante Alissas Schreibtisch gehangen hatte: „Bitte lass mich meinen Nachbarn nicht kritisieren, bevor ich nicht eine Meile in seinen Mokassins gelaufen bin.“
Ganz oben im Schrank fand sie einen Männerpullover, der ganz sicher nicht Henny gepasst hatte. Er roch auch nicht nach Henny. Sondern nach Holz und nach Tabak und nach – ja, Joram, vermutlich.
Waren sie doch ein Paar gewesen? Oder hatte er ihn unten vergessen, und Henny hatte ihn in ihren Schrank gelegt, um etwas von ihm in der Nähe zu spüren? Seinen Geruch greifbar zu haben? War das nach seinem Verschwinden gewesen oder vorher?
Carly zögerte, dann legte sie den Pullover zurück.
Wirklich weiter gekommen war sie nicht mit dem Aufräumen. Aber immerhin hatte sie drei Säcke gefüllt, die sie nach unten schleppte und im Flur abstellte. Sie würde Jakob um Hilfe bitten müssen. Oder Synne. „Hier hilft man sich mit so was“, hatte Jakob gesagt.
Aber sie wollte nicht mit leeren Händen zu Jakob. Kurz entschlossen fing sie an, einen Teig anzurühren. Der Duft von Backwerk würde Naurulokki gut tun nach dem Wühlen im Schrank, das alten Staub aufgewirbelt hatte. Mal sehen, wie ihre Zuckerrübensirup-Kekse bei Jakob und Anna-Lisa ankommen würden.
Der Duft fand offenbar sogar seinen Weg in den Wind. Vor dem offenen Küchenfenster räusperte sich jemand. „Tach! Hier riecht es aber gut. Die Post!“
Der Briefträger. Der, der Henny die Briefe durchs Küchenfenster gereicht hatte, wenn sie malte.
Carly öffnete das Fenster weiter. „Die Kekse sind noch nicht fertig, aber Sie können einen Rest Teig naschen.“
„Mmmmh, lecker. Die Frau Badonin hat eigentlich nie gebacken. Nur der Herr Grafunder, manchmal. Und kochen konnte der!“
„Joram Grafunder konnte kochen?“
„Doch. Der stand hier öfter, rührte in den Töpfen und es duftete. Besser als aus den Restaurants unten. Einmal durfte ich kosten. Da hatte er eine Erkältung und wollte wissen, ob er zuviel Rosmarin in die Suppe getan hat. Hier ist eine Postkarte für Sie.“
Carly war sich sicher, dass er die schon gelesen hatte. Aber sie legte sie beiseite. Unter seinen Augen mochte sie sie nicht lesen, egal von wem sie war.
- Küchenwerktisch, das ‘en’ fehlt
- Steinplatten führten, das ‘n’ fehlt
- zwischen ‘schlichter’ und ‘unbehauener’ kein Komma
- ob er freiwillig … das ‘entweer’ würde ich streichen
Was denken jetzt die anderen, die hier kommentieren, dass ich solchen Kleinkram aufschreibe. Aber du hattest ja drum gebeten.
Ansonsten ist das ein weiteres, sehr anschaulich geschriebenes Kapitel, wo man stets das Gefühl hat, als Beobachter dabei zu sein, wo man alles vor Augen sieht. Ich bin sehr gespannt, wie es weiter geht. Inhaltlich hast du recht spannende Fraen aufgeworfen.
Liebe Grüße,
Ingrid
Ich freue mich sehr über Deine Verbesserungen!
Aber nicht wundern, ich werde das nicht hier auf dem Blog verbessern sondern in meiner Word-Datei, aus der das Buch wird, denn mein Laptop ist so alt und langsam, das ist sonst zu mühsam und kompliziert, das Blog immer zu ändern.
Liebe Grüße, Patricia
wie immer gerne gelesen, den Reichtum Deiner Worte bewundert und mich anregen lassen.
Liebe Grüße
Barbara
Ein fauler Hund -
ich les nicht gerne Texte
die sicher inhaltich so viel und kunstgerecht
uns unsre Welt, uns selbst und auch das Nächste
so schillernd präsentieren und so echt.
Zum Glück hab ich an meiner Seite
sie, die, so fleißig und mit Sinn,
die Perlen aus dem Web heraus mir filtert.
So leb ich frei und freue mich zu Recht.
http://manacur.blogspot.com/2010/11/bedenkenswert.html#comments
Sehr gelungen – und Glückwunsch zu der Sie
Liebe Patricia, ich habe Dich in meinem Blog “re-sonare” zitiert.
Schau bitte mal und sage mir, ob es Dir recht ist.
Liebe Grüße
Barbara
Aber sicher doch – vielen lieben Dank!
Ich bin einfach nur begeistert!
Das macht Mut